| Integrierte Gesamtschule in Wiesbaden |
| IGS
. . . vom Fels in der Brandung zum Bildungskonzept der Zukunft |
|
Die Schule von heute ist geprägt von Leistungsdruck, Konkurrenzdenken und dem Ringen um Zensuren. Sie muss in immer kürzerer Zeit immer mehr Wissen vermitteln. Doch in unserer heutigen Informationsgesellschaft, in der jedes Wissen jederzeit abrufbar ist, ist dieses Konzept enorm aufwendig aber erfolglos. Es ist besser, den SchülerInnen ein Grundwissen zu vermitteln, dafür aber mehr ihre intellektuelle und logische Kreativität zu fördern und zu trainieren. Die SchülerInnen brauchen nicht mehr "Wissen", sondern mehr Informationskompetenz. Nicht das Wissen schafft Kompetenz, sondern der Umgang mit dem Wissen. In
den Schulen ist ein anderes Lernen notwendig. Nicht mehr die Ideologien,
sondern der Nutzen muss im Vordergrund stehen. Die Schule muss sich von einer Belehrungsanstalt
zu einer Lernwerkstatt verändern. Kinder lernen am besten, wenn sie die Art
des Lernens selbst wählen können, wenn sie das zu Lernende erklären müssen,
wenn sie die Theorie durch das Handeln ergänzen können.
Ganz wichtig ist auch eine neue Fehlerkultur, denn Kinder lernen am besten über
Um- und Irrwege. Es macht keinen Sinn, wenn Fehler dreizehn Jahre lang mit dem
Rotstift bestraft werden. |
| Diesen Anforderungen wird das traditionelle gegliederte Schulsystem von Haupt- und Realschulen sowie Gymnasien nicht mehr gerecht. Hier stehen die Schulformen und das Erreichen der Abschlüsse, nicht aber die SchülerInnen selbst im Vordergrund. Im traditionellen Schulsystem wird selektiert und ausgesondert, die SchülerInnen werden nicht gefördert sondern gesiebt. |
|
Die Integrierte Gesamtschule (IGS) geht einen anderen Weg. Sie ist mehr als die Zusammenlegung dreier Bildungsgänge. Sie geht von der Konzeption und in der pädagogischen Gestaltung des Schulalltags davon aus, dass jeder Schüler und jede Schülerin eine Chance auf erfolgreiches Lernen haben muss. Ein Konzept, in dem die Kinder ihre Stärken einsetzen und ihre Schwächen abbauen können, Chancen für Begabte und weniger Begabte, Behinderte und SchülerInnen verschiedener sozialer und ethnischer Herkunft. In
Integrierten Gesamtschulen werden die SchülerInnen von der 5. bis zur 10.
Klasse gemeinsam unterrichtet. Diese Schulform bietet die drei traditionellen
Bildungsgänge in einem zusammenfassenden (integrierten) Unterricht an. Eine
Aufteilung in Haupt-, Realschüler und Gymnasiasten findet nicht statt. Darüber
hinaus gibt es IGS mit der Sekundarstufe II, an denen die SchülerInnen mit
einer Abiturprüfung abschliessen können. |
| In der Integrierten Gesamtschule lernt man Lernen und soziales Handeln. |
|
Die
Unterrichtskonzeption ermöglicht den SchülerInnen individuell eine
Schwerpunktbildung im Lernfortschritt. Entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit, ihren Interessen
und ihren Bildungszielen können die Anforderungen
im gemeinsamen Kernunterricht in der Klasse und in den Kursen nach Anspruchshöhe,
Begabung und Neigung differenziert werden. Hierbei werden die verschiedenen
Lernvoraussetzungen, die Unterschiede in der Lernsituation, im Lernverhalten und
der sozialen und kulturellen Herkunft der SchülerInnen berücksichtigt. Darüber hinaus
findet in sogenannten I-Klassen gemeinsamer Unterricht von behinderten und nicht
behinderten SchülerInnen mit zusätzlichen Sonder- und HeilpädagogInnen statt. Die Aufgabe der schulformübergreifenden integrierten Gesamtschule ist es, SchülerInnen gemeinsame Lernerfahrungen zu ermöglichen, gegenseitiges Verstehen und die Bereitschaft zu sozialem Handeln und die Fähigkeit zur Zusammenarbeit von Menschen unterschiedlicher Lern- und Lebensbedingungen zu fördern. Untersuchungen haben ergeben, dass SchülerInnen einer IGS, deren Schulalltag durch die Vielfalt der sozialen und ethnischen Herkunft ihrer MitschülerInnen geprägt wird, überdurchschnittliche soziale Kompetenzen und differenzierte erkennende Denkweisen entwickeln. |
| Wiesbaden hat Schulprobleme: Bei den IGS ist der Bedarf grösser als das Angebot |
| Die
PISA-Studie hat gezeigt, dass das dreigliedrige traditionelle Schulsystem den
modernen Anforderungen der Gesellschaft und der Wirtschaft nicht mehr genügt.
Verstärkte Selektion und das Drehen an der Leistungsschraube können nicht für
die Zukunft der Bildung stehen. Die Studie zeigt weiterhin, dass Länder mit
vollständigen Gesamtschulsystemen in ihren Erfolgsquoten deutlich über dem
Durchschnitt und weit vor der Bundesrepublik liegen. Finnland bringt 80% eines
Jahrgangs zur Oberstufe, Deutschland weniger als 30%. Von vier Klassen einer
gymnasialen Eingangsstufe erreicht nur eine, oft nur als Miniklasse,
die Sekundarstufe II. Es ist erstaunlich, dass in den Grundschulen,
deren Unterricht überwiegend integriert betrieben wird, die Welt
bildungsmässig noch in Ordnung ist. Die Misere beginnt erst nach der
Selektion beim Übergang auf die weiterführenden Schulen des
gegliederten Systems. Das kann man ändern. Deshalb müssen die
vorhandenen Integrierten Gesamtschulen gestärkt und neue gegründet werden. |
| Haben sich Wiesbadener Eltern bewusst für die IGS entschieden, finden ihre Kinder oft keinen Platz. Die Aufnahme-Möglichkeiten der vorhandenen Integrierten Gesamtschulen sind erschöpft, weil seit Jahren die Anmeldungen die Zahl der IGS-Plätze übersteigen. |
| Nach
dem
Hessischen Schulgesetz
ist die Wahl des Bildungsgangs nach dem Besuch der
Grundschule Sache der Eltern. Diesem gesetzlichen Auftrag kann in Zukunft nur
entsprochen werden, wenn ausreichend Schulen aller gewünschten und nach dem
Elternwillen erforderlichen Schulformen geschaffen werden. Dies ist zur Zeit
nicht der Fall. |
|
Der Leiter der IGS Kastellstrasse,
G.-U.-Franz verdeutlicht die Situation: "Seit Jahren hatten wir uns damit abgefunden, dass
etwa die Hälfte der Anmeldungen an der IGS Kastellstrasse nicht berücksichtigt
werden konnten und entsprechend dem Zweitwunsch je zur Hälfte an die IGS in
Erbenheim und Kostheim abgegeben werden mussten, bzw. an die Schulen des
traditionellen Schulsystems verwiesen wurden. In diesem Jahr (2001) entstand die
nicht gänzlich neue Situation, dass die Hermann-Ehlers-Schule (Erbenheim) und
die Wilhelm-Leuschner-Schule (Kostheim) keine Kapazitäten mehr für die
Aufnahme der Innenstadtkinder hatten. Zugleich monierte der Stadtelternbeirat
einmal mehr die dem Elternwillen eigentlich zuwiderlaufende und im Verfahren
unzumutbare "Verschiebepraxis" bei den ins traditionelle Schulsystem abgegebenen
Kindern." |
| Angesichts dieser untragbaren Situation haben Eltern, deren Kinder bereits an einer IGS unterrichtet werden, und Eltern, die das IGS-Konzept befürworten und interessierte LehrerInnen im Dezember 2001 die Initiative PRO IGS gegründet. Die Initiative setzt sich für die Gründung einer weiteren IGS Innenstadt ein. Gegenwärtig versucht PRO IGS mit einer Unterschriftenaktion Druck auf die politischen Entscheidungsgremien auszuüben, um den Willen Wiesbadener Eltern nach weiteren Integrierte Gesamtschulen in Wiesbaden zu verdeutlichen. Mitmachen ist gewünscht und kostenlos. |
| 10042003 |