| Wieder zu wenig IGS-Plätze | ||
![]() Demo im Sommer 2002 |
Das hat uns aber umgehauen, wir haben doch den "Volks"vertretern vertraut. Nach monatelangem ideologischen Gezerre wurde trotz der Warnungen des zuständigen Dezernates und der Verwaltungsfachleute von der konservativen Ein-Stimmen-Mehrheit im Wiesbadener Stadtparlament der Schulentwicklungsplan (SEP) verabschiedet und an das Kultusministerium (HKM) weitergeleitet. Das HKM schickte den SEP prompt zurück mit der Auflage, erst einmal die Hausaufgaben zu machen. Aber anstatt das auch zu tun, erging sich die schulpolitische Laienspiel-Schar erst einmal in Schuldzuweisungen, Vorwürfen und Ratlosigkeit. Statt auf sachliche Arbeit und Fakten hatte man auf Gott und die CDU-Parteikollegin Kultusministerin Wolff vertraut. Aber das ging eben schief. Niemand weiss seitdem, wie es weitergehen soll. Da im nächsten Jahr einiges anders ist, sind die aufwendig erarbeiteten Zahlen über Schülerströme, Zu- und Abwanderungen, Jahrgangszügigkeit, Raumbedarf, die Umlandsituation und einiges mehr Makulatur. Die konservative Mehrheit tut das, was sie am besten kann - in den Kulissen wühlen und Aussitzen, und alles läuft so, wie im letzten Jahr. Wer nichts macht, macht auch nichts verkehrt. Das ist konservative Schulentwicklung. Auf der Strecke bleiben wieder enttäuschte Eltern, Schüler, Lehrer und Schulleiter. Hatten wir im letzten Herbst gedacht, das schulpolitische Chaos könnte gar nicht mehr grösser werden, wissen wir es heute besser. Schulfusionen, Schulschliessungen, Reformschul-Desaster und aus jeder Ecke ein anderes Statement haben die Betroffenen weiter verunsichert. Und trotzdem haben wieder rund 700 Eltern für ihre Kinder eine Integrierte Gesamtschule gewählt - und wieder waren das rund 140 Anmeldungen zuviel. Wieder fehlen 6 IGS-Eingangsklassen (= 2 Integrierte Gesamtschulen), bei einer wesentlich höheren Dunkelziffer. Doch was juckt die hauptamtlichen Arroganzen im Rathaus die Enttäuschung und das Leid der Kinder, von denen viele nur in einer Gesamtschule eine Chance haben? Dabei hätte Wiesbaden die Möglichkeit zur Neuorientierung - fortschrittliche Eltern, konzeptfreudige Lehrer und leerstehende Schulen. Die heute benötigten IGS-Plätze für Wiesbadener Kinder könnten ohne grosse Kosten umgehend eingerichtet werden. Doch nach konservativem Verständnis kann nicht sein, was nicht sein darf. Die sachlichen und pädagogischen Argumente für das Integrierte Schulsystem sind längst ausgetauscht und bekannt. Alles spricht für eine Änderung des Schulsystems. Die Bundesrepublik Deutschland ist das einzige Land auf der Welt, das seine Kinder nach der vierten Klasse aussortiert und auf verschiedene Bildungsebenen verteilt. Wie uns unsere Nachbarländer und die Welt zeigen, hat dieser deutsche Sonderweg abgemustert. Mit Schulabgängern dieses gegliederten Systems können die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen der Zukunft nicht gemeistert werden. Daran werden auch verschärfte Kontrollen und häufigere Leistungstests nichts ändern. Wir brauchen Schulen, in denen es den Kindern Spass macht, zu lernen, und den Lehrern Spass macht, zu lehren. Nur damit schaffen wir eine Generation, die in der Lage ist, die Zukunft zu gestalten, statt der Allgemeinheit zur Last zu fallen. Es wird Zeit, dass die Eltern aufstehen und den Politikern klarmachen, dass unter "Zukunftsinvestition" auch das Fördern von Kindern und Schulen zu verstehen ist. |
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![]() Demo im Frühjahr 2003 |
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Info-Stand Mai 2004 136 Ablehnungen |
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| 25042004 |