| Mit dem Schul-Entwicklungsplan gegen die Integrierten Gesamtschulen | ||
| - - - Obwohl seit Jahren Plätze an Integrierten Gesamtschulen in erheblichem Umfang fehlen, bleibt die Stadt untätig. Damit aber wird die freie Schulwahl verhindert. (Stadtelternbeirat) |
Noch einmal von vorn: Im Jahre 2001 wäre nach dem Hessischen Schulgesetz die Fortschreibung des Schulentwicklungsplans (SEP) fällig gewesen. Aber Schulentwicklung ist nicht die Sache der konservativen Mehrheit im Wiesbadener Stadtparlament. Knappe Kassen, marode Schulen, Schulpendler aus dem Umland und etliche Hundert Eltern, die eine zusätzliche Integrierte Gesamtschule (IGS) wollen, vernebeln den Durchblick der CDU. Sie blockiert und verhindert mit verfahrenstechnischen Tricks im Ausschuss und im Stadtparlament konsequent jede Diskussion um den SEP. Die schulpolitische Sprecherin der Konservativen zum Thema IGS: "Mit uns nicht!" | |
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- - - Die Helene-Lange-Schule sehe ich als pädagogisches Gesamtkunstwerk. Sie hat etwas eigenes kreiert. Dieser Schule ist es gelungen, dem selbständigen Lernen neue Formen zu geben. (R. Messner, Bildungsforscher) |
Für das Schuljahr 02/03 werden 200 Kinder, die ihre Schulausbildung an einer der fünf IGS´n fortsetzen wollen, von diesen aus Platzmangel abgelehnt und an das gegliederte System verwiesen. Proteste der Eltern, Schüler/Lehrer-Demonstrationen, Aktionen und Unterschriftensammlung der Initiative Pro IGS, Verständnis im zuständigen Dezernat, das Ganze objektiv begleitet von der lokalen Presse nerven die CDU dermassen, dass sie zum Gegenschlag ausholt und eine Hetzkampagne gegen die Integrierten Gesamtschulen im allgemeinen, und gegen die Helene-Lange-Schule im besonderen lostritt. In der Presse bemängeln Schulleiter von Gymnasien die mangelnde Transparenz des Auswahlverfahrens bei den Integrierten Gesamtschulen, lehnen aber diese Transparenz bei sich selbst ab. Berichte, Stellungnahmen, Leserbriefe auf allen Ebenen, absolute Funkstille bei den Parteien. | |
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- - - Die Personalräte der Wiesbadener Integrierten Gesamtschulen weisen das Ansinnen von CDU und FDP zurück, im kommenden Schuljahr an den fünf Schulen jeweils eine zusätzliche 5. Klasse einzurichten. Dem Gremium ist nicht bekannt, dass auch nur eine Schule über geeignete freie Räume verfügt. (WK 16.12.02) |
Die CDU hatte gehofft, mit ihrer Hintergrundwühlerei die Eltern so zu verunsichern, dass sie wieder auf den Pfad der Tugend (das gegliederte Schulsystem) zurückkehren. Doch sie wird das Thema IGS nicht los. Für das Schuljahr 03/04 müssen wieder 170 Kinder von den IGS´n abgelehnt werden. Jetzt versucht die CDU zu handeln. Jede IGS soll eine zusätzliche Klasse im Jahrgang 5 einrichten. Eine Delegation des Schulausschusses besucht die Integrierten Gesamtschulen und kriecht über Dachböden, durch Keller und Nebengebäude auf der Suche nach leerstehenden Räumlichkeiten. Das Ergebnis ist ernüchternd. Im Schulausschuss erklärt der Vertreter des Hochbauamtes, dass zusätzliche Klassenräume nur durch den Ausbau von Dachböden und Kellerräumen, das Aufstellen von Containern auf dem Schulhof oder durch Einrichten von Satelliten-Klassen in anderen Schulen geschaffen werden können. Die Kosten wären immens und im Etat nicht unterzubringen. Die IGS-Schulleiter führen überzeugend aus, dass mit grösseren Klassen, fehlenden Fachräumen und aufgelösten Lehrerteams das Integrierte Schulkonzept nicht mehr durchzuführen sei. Die zuständige Dezernentin, die diesen Umstand im SEP berücksichtigen will, wird von ihrem Vorgesetzten, CDU-Oberbürgermeister Diehl, befristet entmündigt, damit seine Beamten die CDU-Version in den SEP-Entwurf einbringen können. | |
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- - - Lorenz und Praml haben es geschafft, beim strittigem Thema Schulentwicklung geräuschlos einen Kompromiss zu erarbeiten. Sie wollen, um den grossen Bedarf an Gesamtschulplätzen zu decken, zwei neue Reformschulen aufbauen, die zwar nicht Gesamtschule heissen, aber nach diesem Muster organisiert sind. (WK 14.02.03) |
Das Thema IGS aber brodelt weiter. Elternwille, Unterschriftenübergabe, zwei Grundschulen wollen IGS werden, das Staatliche Schulamt mahnt den SEP und die Berücksichtigung des Elternwillens an, es gibt leerstehende Gymnasialräume - aber die CDU schmettert alles in Grund und Boden: "IGS - mit uns nicht!" Alle Argumente sprechen für die Integrierten Gesamtschulen und niemand versteht mehr das Verhalten der CDU. Der politische Druck ist enorm, und fast wäre sie eingeknickt. Doch da naht die Rettung, ausgerechnet in Gestalt der SPD: ein überparteilicher Konsens für eine neue Schulform - "Reformschule". Die Integrierte Gesamtschule unter einem anderen Namen. Die SPD freut sich, als Minderheit so etwas Tolles erreicht zu haben. Und in ihrer Siegeslaune merkt sie gar nicht, wie sie vom CDU-Vorpolterer Lorenz und der Chef-IGS-Gegnerin Scholz vorgeführt wird. Klammheimlich hat die CDU ihre Vorstellungen in den SEP-Entwurf geschrieben, und plötzlich geht alles ganz schnell mit dem Schulentwicklungsplan. | |
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- - - Die Gebäude sind für die Zahl von Klassenzügen gebaut, wie sie derzeit aufgenommen werden. Es ist das Ziel des Raumkonzeptes, von Massenschulen und überfüllten Räumen wegzukommen. Für Schüler ist es wichtig, sich mit ihren Klassenräumen zu identifizieren. Denn die Klassenzimmer sind nicht nur Orte des Lernens, sondern für viele Schüler auch Sozialstationen. (U. Franz, IGS-Schulleiter, 13.10.03) |
Mit ihrer Ein-Stimmen-Mehrheit (durch einen übergelaufenen Republikaner) geht die CDU aufs Ganze. Mit einer Flut von Geschäftsordnungsanträgen im Schulausschuss und Stadtparlament wird jede weitere Diskussion um den SEP verhindert und die Ein-Stimmen-Minderheit lächerlich gemacht. Gegen die Vorbehalte aus dem Hessischen Schulgesetz, des zuständigen Dezernats und des Stadtelternbeirates, gegen den Willen von Eltern, Schülern, Lehrer, Schulen und den sie vertretenden Organisationen werden konservative Pflöcke in die Wiesbadener Schullandschaft gerammt, die Schulentwicklung auf Jahre hinaus verhindern werden. Der jetzt von der CDU verabschiedete Schulentwicklungsplan 2003 sagt u. a. folgendes: Ein Gymnasium wird aufgelöst und zwei Schulen in "Reformschulen" (Verbundene Haupt- und Realschulen) umgewandelt. Sollten die Eltern weiterhin für ihre Kinder IGS-Plätze wollen, müssen die fünf vorhandenen IGS´n Solidarität zeigen. Sie sollen dann die Klassenstärke erhöhen, Fachräume in Klassenräume umwandeln, ihre Stundenpläne an die des gegliederten Schulsystems anpassen und etliches mehr. Die damit verbundene Botschaft: |
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| "Eltern, entweder ihr akzeptiert die Reformschule, oder eure Kinder gehen auf Integrierte Gesamtschulen, die dann keine mehr sind". | ||
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- - - Jedes Kind soll soviel leisten können, dürfen und müssen, wie es zu leisten in der Lage ist. Wir brauchen Lernen durch Vergleich, Vergleiche aber, die mutig machen, nicht verzagt, und die motivieren, nicht demütigen. (Susanne Thurn, Schulleiterin, August 03) |
Endlich ist die CDU da, wo sie hin wollte. Durchsetzung der landespolitischen Vorgaben auch gegen die renitenten Eltern in Wiesbaden (Fr. Wolff wird sich sicher erkenntlich zeigen). Schwächung und Auflösung der Integrierten Gesamtschulen zugunsten des gegliederten niederen Schulwesens. Da bleiben die Fragen, warum die CDU-Stadtverordneten, deren Kinder auf eine IGS gehen, dieser schulpolitischen Rolle rückwärts zugestimmt haben, mit welchem Recht die CDU den Elternwillen ignoriert und bestimmt, was "gute" und "schlechte" Schulen sind. Die Initiative Pro IGS sieht mehr denn je die Notwendigkeit einer Schulsystem-Änderung. Der schulpolitische Rückschritt schadet nicht nur unseren Kindern, sondern auch der Entwicklung unserer Gesellschaft. Ein Schulsystem, das sich fünfzig Jahre lang nicht entwickelt hat, beamtenmässig die neuen Anforderungen von Pädagogik, Gesellschaft und Wirtschaft ignoriert, lässt sich mit verschärften Verordnungen und Kontrollen nicht sanieren. Da muss was Neues her. Die Eltern müssen es allerdings wollen. |
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| 29102003 |